Es gibt so eine sympathische Bezeichnung im Spanischen für „Nicht-mehr-alle-Tassen-im-Schrank“: „Nicht mehr alle Entchen in der Reihe.“

Ich mag das. So viel lieber als all das, was ich in den letzten …. na sagen wir 40 Jahren so oft zu hören bekommen habe: Die ist ja verrückt, bescheuert, immer-anders-die-anderen, die spinnt ja. Oder auch: Anpassungsstörung, affektive Störung, leichte Depression, mittelgradige Depression, schwere Depression, schwere rezidivierende Depression, und dann, vor nur wenigen Jahren: Bipolare Störung – manisch-depressiv.

Ich wäre der Ärztin am liebsten an den Hals gesprungen. Was sie sich denn bitte einbilden würde, sie kenne mich doch gar nicht. Ich habe alle gehasst, die mir zu Tabletten oder gar einem Klinikaufenthalt geraten haben.

Ich doch nicht.

Heute sehe ich das anders: Es erklärt so viel. Vieles aus meiner Vergangenheit, auf das ich mir nie einen Reim machen konnte, das Kopfschütteln, die Hänseleien, aber auch das wilde, bunte Leben, das ich geführt habe, ohne Rücksicht auf die Konsequenzen und oft mit einem lauten und ansteckenden Lachen.

Das Schlimmste auf dem ganzen Weg – für mich – war das Versteckspielen: Nein, es geht mir gut. Das falsche Grinsen, wenn ich eigentlich nur heulen wollte. Der Griff zur Weinflasche, wenn die Panikattacke kam. Die Selbstzweifel. 

Erst als ich mich nicht mehr verstecken konnte, habe ich mich „geoutet“ – noch einmal ganz von vorn begonnen. Und auf einmal festgestellt, dass ich beileibe nicht alleine bin. Dass es tolle Freunde gibt. Und dass es immer wieder bergauf gehen kann.

Das war für mich eine der wichtigsten Erfahrungen, das möchte ich gerne vermitteln. Vielleicht auch an Sie, an dich?

Das wäre schön.