Panikattacken sind unangenehm. Widerlich. Unerträglich. Da ich gerade heute wieder die Begegnung mit einer solchen machte, versuche ich hier einmal zu schildern, wie sich so eine Panikattacke anfühlt – und wie man sie durchsteht.

Bei mir fängt alles mit einem irgendwie unguten Gefühl an. Etwas Negatives, Schweres, legt sich auf meine Gedanken. Eine Erinnerung an eine unschöne Situation, ein Bereuen, eine Sorge… Aber das ist nur das Wetterleuchten, denn kurz danach trifft es mich wie ein Blitz aus heiterem Himmel: Entsetzen. Wie in dem Moment, in dem man aus einem Albtraum aufwacht: Das Herz schlägt bis zum Hals, die Hände sind feucht und zittern. Alles dreht sich. Nur hört der Albtraum in diesem Moment nicht auf. Alles ist wie immer, und doch fühlt es sich an, als befände man sich in höchster Gefahr.

Dass diese Gefahr nicht real ist, ist mir in dem Moment zwar schon noch bewusst, es ändert aber rein gar nichts an der Tatsache, dass die Haut in Flammen zu stehen scheint und die Luft knapp wird: Ich sitze in der Falle. In solchen Momenten bin ich dann früher aus dem Haus gelaufen. Gar keine gute Idee. Denn es ist in diesem Zustand ausgesprochen schwer, noch einigermaßen klare Entscheidungen zu treffen. Ich bin, wie auf der Flucht, ziellos durch die Straßen gezogen, habe nicht mehr auf den Verkehr geachtet…

Heute verkrieche ich mich – suche Ruhe und Sicherheit. Im Bad, im Bett. Der Wunsch ist immer noch der gleiche: Bloß raus aus der Situation, am liebsten raus aus meiner Haut. Augen zu – nichts sehen, nichts denken müssen. Dennoch dauert es nicht lange, und die zu der Panik passenden Gedanken und Bilder tauchen auf: Hoffnungslose Situationen. Ich bewege mich vorsichtshalber nicht, als würde ich mich so vor der Gefahr verstecken können. Und gleichzeitig bin ich so ärgerlich auf mich selbst und die verlorene Zeit. Ich weiß ja, dass ich nicht sterben werde – auch wenn ich es in diesen Momenten am liebsten würde. Damit es nur aufhört.

Und dann zwinge ich mich doch. Zumindest einmal, zu atmen. Nicht die Luft anzuhalten, sondern ruhig ein- und vor allem wieder auszuatmen. Zählend. Es geht. Wirklich – es geht! Die Bilder verschwinden zwar noch nicht aus dem Kopf, aber der Körper funktioniert wieder einigermaßen. Ein Schritt. Und wenn ich denn schon nichts gegen die schlechten Erinnerungen tun kann, versuche ich es mit Akzeptanz. Ich schaue sie mir an und warte darauf, dass sie von selbst wieder gehen. Das ist unangenehm, beängstigend. Es sind alte Gefühle, Bilder, Gedanken.

Alte! Das versuche ich mir, im wahrsten Sinne des Wortes, vor Augen zu führen. Ich kann sie mir anschauen und sie aushalten. Vielleicht rolle ich mich ein bisschen zusammen, suche mir eine Position, in der ich mich geschützter fühle. Stelle mir vor, dass ich umarmt und gehalten werde. Und dann lasse ich die Bilder wieder ziehen. Eines nach dem anderen kommt und verschwindet wieder. Und irgendwann beruhige ich mich, das Herz hört auf zu rasen und der Kopf wird wieder klar.

So eine Panikattacke dauert bei mir in der Regel nicht länger als eine Viertelstunde. Danach bin ich furchtbar erschöpft, aber kann wieder ganz normal meinem Tag nachgehen.

Was bleibt, sind die Erinnerungen, und manchmal neue Erkenntnisse. Denn das, was mir Angst gemacht hat, ist in der Regel etwas, das aus dem Unterbewussten an die Oberfläche gedrungen ist. Was immer schon da war, das ich aber niemals sehen wollte und nun musste. Und das ist – bei allem Schmerz – auch etwas Gutes, denke ich. Es macht ein wenig klüger, erklärt manches. Und es zeigt, dass die Seele inzwischen stark genug ist, um mit den verdrängten Erinnerungen neu und anders umzugehen. Es aufzuschreiben hilft. Zu trauern hilft. Und sich immer wieder bewusst zu machen, dass es alte Erinnerungen und Gefühle sind, die man bereits er- und überlebt hat.

Nein, ich hoffe von Herzen, dass die nächste Panikattacke nicht allzu bald kommt. Aber ich weiß, dass sie auch wieder verschwindet.

Garantiert.

p1030309

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