Dreißig Grad und Sonne, ein wunderbarer Tag um glücklich zu sein. Und in mir krabbelt die Depression hoch. Ganz langsam, aber unaufhaltsam. Es beginnt damit, dass ich keine Lust habe, die Vorhänge zurückzuziehen. So fühle ich mich geschützter vor den Gedanken, die sich wieder einmal nur um Fehler und Scheitern drehen.

„Mit einer schweren Depression eine Psychoanalyse zu machen, grenzt an Wahnsinn.“ Das habe ich vor einigen Wochen gelesen, viele Jahre nachdem ich genau das gemacht habe, und seither gut die Hälfte meiner Lebenszeit in der Vergangenheit verbringe: „Sie sind total deformiert. Sie hätten bereits als Kind…, Sie konnten ja noch nie… und daher werden Sie auch niemals…“ Aussagen, für die man eine Psychologin eigentlich hinter Gitter bringen müsste, meine ich. Aber hier wie so oft gilt auch: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus, und der Patientenschutz in Deutschland ist ein Witz.

Egal.

Wo bin ich falsch abgebogen? Vor zwanzig Jahren, dreißig, vierzig? Oder vielleicht gerade erst gestern und habe es wieder nicht gemerkt?

Du kommst strahlend ins Zimmer und wünschst mir einen guten Morgen. Ich will mich unter der Decke verkriechen, doch das kann ich dir nicht antun. Wie es mir geht, fragst du. Super – ich setze mein schönstes Lächeln auf und drehe mich kurz weg, damit du nicht siehst, wie mir die Tränen in die Augen steigen.

Wenn es mir so geht, wie heute, brauche ich nichts dringender als deine Nähe. Würde mich am liebsten nur in deinen Armen verkriechen und mir den ganzen Schmerz von der Seele heulen. Und das ist das Allerletzte, was ich tun würde. Stattdessen gehe ich auf Distanz und reiße mich zusammen. Wirke vielleicht ein bisschen kälter als sonst. Keine Schwäche zeigen? Nein, damit hat es nichts zu tun. Aber ich will dir nicht auch noch den Tag versauen.

Schließlich ist doch Sommer und die Sonne scheint.

2 Gedanken zu “Schein und sein

  1. Liebes ich weiß wie du dich fühlst…
    Habe schon alles selbst erlebt, gefühlt…
    Einzige Unterschied zu dir, habe ich meine Gefühle, Schmerz, Enttäuschung, Wut raus geredet, gewinnt, durchlebt… Das habe ich nicht mit meinem Freundeskreis oder Familie gemacht, sondern mit Arbeitskollegen, die mich nicht kannten, da sie weit von mir lebten und mit meinem Privat Leben nichts Zutun hatten… Sie hörten mir zu und sagten ihre Gedanken mir. Besonders eine Kollegin, die älter als ich war. Sie gab mir kein Rat. Obwohl ich immer wieder fragte „Warum ist das passiert? „…
    Sie gab mir nur Beispiele und stellte mir Fragen, die ich miCh nachdenken ließ. Mir wurde so vieles etwas verständlicher… Wichtigste war aber, daß ich meine Wut und Trauer raus „gekotzt “ habe und da jemand war, der neutral blieb…
    Ende der “ SCHOCK SITUATION “ war, das ich alles alte durch gestrichen habe und ganz neu angefangen habe, mit Bewusstsein das jeder Fehler macht und jeder von vorne anfangen und glücklich sein kann, der das wirklich will und die Vergangenheit loslässt. Das loslassen ist aber eine „durchleben mit Gefühlen “ , die bewusst macht…
    Ich bin immer für dich da.
    In Liebe
    Sevtap

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