Zwei Sätze, die ich gestern auf Facebook las, gingen mir heute immer wieder durch den Kopf:

„Die Leute sagten mir, ich ginge den falschen Weg. Dabei hatten sie nur niemals verstanden, dass ich begann, meinen eigenen Weg zu gehen.“

Dabei hatten sie nur nicht verstanden…

Die Gefühle, die sich einstellten, hatten damit wenig zu tun. Ich spürte so etwas wie Ärger. Sie haben es nicht verstanden. Und auf einmal kam mir der Gedanke: Vielleicht haben sie es ja sehr wohl verstanden. Sie wollten es nur nicht.

Was ist daran so schlimm, wenn jemand beginnt, seinen eigenen Weg zu gehen? Nun, er steht nicht mehr zur Verfügung. „Ich konnte auf dich nicht zugreifen“, warf mir einmal jemand vor, der gern mein Chef gewesen wäre. Und es war ein wenig wie in dieser Nacht. Allerdings spürte ich damals keinen Ärger. Nur ein vages, ungutes Gefühl: Irgendetwas ist faul.

Ich erinnere mich, dass ich als Kind oft dieses Gefühl hatte. Auch einen immer wiederkehrenden Traum: Ich versuche, ein Puzzle zu lösen, doch je mehr Teile ich zusammenfüge, desto mehr Lücken tun sich auf. Es brachte mich immer wieder zum Verzweifeln und Aufwachen: Irgendetwas ist faul, doch ich kann es nicht benennen. Ich habe Angst – aber nicht die geringste Ahnung, wovor.

Wie bringt man jemanden davon ab, seinen eigenen Weg zu gehen? Und wenn es nur ein einfaches „Nein“ ist, mit dem ein paar Grenzen markiert werden sollen? Mir fallen spontan jede Menge Möglichkeiten ein:

  • Zum ersten: Verunsicherung. „Das ist falsch, du gehst den falschen Weg. Wenn du diesen Weg gehst, dann wirst du scheitern, dann wird was auch immer passieren.“ Mach keinen Fehler! Scheinbar gut gemeinte Ratschläge, die aber nur das Ziel verfolgen, den eigenen Willen durchzusetzen. Schlichte Manipulation und ein böser Vertrauensmissbrauch. Irgendwann hatte ich erkannt, dass es sich um reine Angstmacherei handelte, und reagierte kontraphobisch im Extrem: Ich widersetzte mich jeder Warnung. Egal, von wem sie kam, egal, wie sinnvoll sie war, selbst meinem eigenen unguten Gefühl misstraute ich – und landete gewaltig auf der Schnauze.
  • Dann: Scham. „Du kannst das nicht, du bist dafür zu klein, zu dumm, zu unbegabt.“ Bis heute versuche ich mir und aller Welt das Gegenteil zu beweisen. Und setze mir gerne zu hochgesteckte Ziele – weil kein Erfolg die Stimmen zum Schweigen bringt: „Alle können das, aber nicht du.“
  • Isolation und Liebesentzug: „Wenn du das machst, dann liebe ich dich nicht mehr. Dann werden sich alle abwenden. Dann gehörst du nicht mehr zu uns.“ Verbal oder nonverbal rübergebracht. Himmel, hat mir das eine Angst eingejagt! In einem Alter, in dem ich wirklich davon abhängig war, dazuzugehören und geliebt zu werden. Das Blöde daran: Die Angst steckt mir immer noch in den Knochen, und kommt hin und wieder zum Vorschein. Nämlich immer dann, wenn es darum geht, mich abzugrenzen – mit dem Erfolg, dass ich noch immer ein gefundenes Fressen biete für Menschen, die ihr eigenes Wohl über alles andere stellen.
  • Und wenn wir schon einmal bei der emotionalen Erpressung angekommen sind, dann sollten Schuldgefühle natürlich auch nicht fehlen: „Du bist schuld, dass es mir schlecht geht. Das hättest du nicht sagen oder tun dürfen! Was tust du mir an!“ Schuldgefühle und Vorwürfe können eine so schwere Last sein, dass es einfacher scheint, sich selbst gegenüber schuldig zu werden.
  • Ach ja! Nicht zu vergessen, die Entwertung. „Du Egoistin! Du Idiot! Du Versagerin!“, zum Beispiel. Passt gut zur Verunsicherung, meine ich, geht aber viel tiefer: Nicht mein Handeln ist verkehrt, sondern ich selbst, als ganze Person. Na, dann kann ich mir ja gleich einen Strick nehmen – oder ich passe mich an und mache, was der andere sagt.
  • Und schließlich, wenn nichts mehr geht, offener Widerstand. Pläne werden vereitelt, Mittel entzogen, Intrigen gesponnen. Gehe. Nicht. Deinen. Eigenen. Weg! Gehe den Weg, der mir selbst am nützlichsten ist.

Ich habe all das erlebt. In meiner Familie, in Partnerschaften, Arbeitsverhältnissen – selbst in Therapien ging es gelegentlich eher um die Bedürfnisse der Therapeuten als um ein ehrliches Hilfsangebot. Und früh genug entsprechend dressiert habe ich es oft genug zu spät erkannt. Dieses Gefühl: „Irgendwas ist faul!“, nicht ernst genug genommen. Meinen Ärger noch nicht einmal gespürt. So erfolgreich war ich auf das Funktionieren für andere getrimmt worden, dass ich sogar stolz darauf war.

„Sie hatten nur niemals verstanden, dass ich begann, meinen eigenen Weg zu gehen.“

Haben sie es vielleicht tatsächlich nicht verstanden?

Ich funktioniere gut!“ Das habe ich mehr als einmal Menschen mit Stolz sagen hören. Oder auch einfach nur: „Man muss doch…„. Wenn ich selbst von mir erwarte, perfekt ins Bild zu passen, wie soll ich dann verstehen, geschweige denn akzeptieren, dass für einen anderen diese Konventionen nicht mehr gelten sollten? Wenn meine Bedürfnisse niemals akzeptiert wurden, wie soll ich dann wirklich nachempfinden können, dass ein anderer Mensch mehr ist, als ein Werkzeug, ein verlängerter Arm?

Nein, ich will auf diese Weise ganz sicher nicht dafür werben, Missbrauchern und Manipulatoren mit Nachgiebigkeit zu begegnen. Auch Mitgefühl halte ich erst dann für angebracht, wenn die Grenze klar gezogen ist. Dann hat der Ärger seinen Zweck erfüllt, die nötige Energie und den Mut verliehen, über den – vermeintlichen – Konsequenzen zu stehen. Doch dann hilft es, auch loslassen zu können.

„Sie sagten, ich ginge den falschen Weg. Dabei haben sie nur nicht gewollt, dass ich meinen eigenen Weg gehe.“

Weil sie es selbst niemals konnten.

3 Gedanken zu “Steine im Weg

  1. Liebe Francase,
    Sie verstanden das, das du deine innere Wunsch nachgehen wolltest.
    Das sie mit Negativen Aussagen und Handlungen dich aufgehalten haben, war auch nicht bewusst um dich nieder zumachen. Es war ihre eigene Angst, ihre eigene Erlebnisse in ihre Kindheit. Jeder Mensch hat in ihrem Leben viel erlebt. Die Negativ Menschen hatten negative einprägung in Ihrer Seele, deshalb reagierten sie auch nur so, wie sie es von ihrem eigenen Leben kannten…
    Du hast genau so alles in deine Seele gespeichert, was du in Deinem Kindheit erlebt hast…
    Es muss dich Traumatiert haben, da du deine Lebenlang wert darauf gelegt hast, anderen zu gefallen, um Anerkennung zu bekommen, um geliebt werden…
    Du hattest wohl Erlebnisse in deinem engsten Familie, die dir eingeimpft hatten, das du nicht ein Wertvolle Mensch bist, das du nicht genug bist, das du erst „gut“ bist, wenn du nach ihren „Regeln, Gewohnheiten, Glauben“ handels und lebst… Sie haben auch dich Emotional erpresst. „Erst wenn du Lieb bist, bekommst du von uns etwas“ . Das war wohl Liebe, Zuneigung, Aufmerksamkeit usw. Alles was du als Kind und Jugendliche sehr dringend bräuchtest , haben sie dir entzogen und dich vermissen lassen…
    Liebes, das ist der Grund, warum du so wenig Selbstvertrauen , Selbstsicherheit, Selbstliebe, Selbstachtung hast… Du kannst nicht mal in deinen inneren Gefühle vertrauen, da du denkst, „alle haben mir nicht vertraut und gesagt das ich nicht gut genug bin, das muss wohl stimmen „. Dieses Gedanken laufen bei dir Unterbewusst ab. Du fühlst dich nur schlecht und gelähmt. Weist nicht mehr woran du bist. Du bist auf der Suche nach dir SELBST. Es ist wie eine dicke Mantel (Negative Erfahrungen) um dich, der dich erschwert und dich versteckt. Du kannst diese „Dicke Mantel “ von dir abstreifen. Das geht langsam, Stück für Stück. Durch begreifen, wahrnehmen, akzeptieren, wissen…

    Ich biete dir meine Hilfe an, wenn du mir vertraust. Ich kann dir helfen, weil ich weis wie es dir geht und was du durchmachst… Es ist höchste Zeit, das du dir , deinen wahren Seele begegnist und dich Liebevoll umarmst. 🙂

    Du bist eine Starke Frau. Du schaffst es , alles hinter dir zu lassen und neue glückliche Leben zu führen ! 🙂 ❤

    In Liebe
    Sevtap

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  2. Hat dies auf flowngrow rebloggt und kommentierte:
    Genau DAS habe ich auch erlebt – gerade in den letzten Jahren, seit ich meinem eigenen inneren Song folge. Und je mehr jemand anders mich in seinem Leben haben wollte, umso manipulativer hat derjenige das versucht.
    Es ist nur nicht einfach gewesen, diesem Grad zwischen „ich analysiere und therapiere hier die Spiegelung von etwas Ungelösten in mir selbst“ und „gesunde Grenzen setzen“ und angebrachte Eigenliebe leben.
    Mein Credo: Wenn wir alle uns auf unserem eigenen Weg in Empathie begegnen würden, bräuchten wir keinerlei andere Regeln oder Gesetze!
    Das ist die Art von zwischenmenschlichem Umgang, auf die ich hinarbeite. Begegne Dir selbst und anderen in Wertschätzung und (Selbst-)Achtung. Du bist nicht zum Funktionieren da!
    Follow your inner song ❤

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